"Welch größeres Geschenk kann es geben als die Zuneigung einer Katze?"
Charles Dickens
Wenn das geliebte Tier stirbt
Herzlich Willkommen auf katzenseele.de - schön, dass Sie hier sind, auch wenn der Anlass Ihres Besuchs vielleicht ein trauriger ist.
Diese Seiten sind meiner geliebten Katze Daisy gewidmet, die im September 2011 starb. Sie wurde 12 Jahre alt und ihr Tod kam für mich nicht unerwartet, da sie schon längere Zeit krank war. Dadurch gab sie mir die Chance, sie auf ihrem letzten Weg zu begleiten, wofür ich sehr dankbar bin. Die Vorbereitung auf ihr Sterben war für mich eine sehr intensive Zeit - extrem anstrengend und doch voll mit unendlich reichen Momenten.
Aus dieser Erfahrung heraus möchte ich Ihnen gern einige Gedanken weitergeben, die Ihnen möglicherweise in der schwierigen Zeit der Ungewissheit und Unsicherheit helfen, wenn Ihre Katze (oder auch ein anderes geliebtes Tier) sich auf die Reise macht, die wir alle irgendwann antreten werden. Besonders hilfreich waren für mich in den Wochen vor und nach Daisy's Tod Bücher, die die einzelnen Sterbephasen beschreiben, wie z.B. das Buch von Sabine Arndt und Petra Kriegel. Zu verstehen, dass Sterben ein natürlicher Prozess ist, der ähnlich einer Geburt in wechselnden Phasen von Anstrengung und Entspannung abläuft, hat mir sehr geholfen, die Ruhe zu bewahren, als es bei Daisy soweit war. Aber so, wie sich Geburten unterscheiden in ihrer Dauer und Intensität, tun das auch Sterbeprozesse. Jedes Tier stirbt so individuell, wie es gelebt hat. Machen Sie sich also bitte keine Vorwürfe, wenn Sie nicht dabei sein konnten, als Ihr geliebtes Tier gehen musste, vielleicht auch durch einen plötzlichen Unfall oder auch, weil Ihre Katze lieber allein "losgegangen" ist und nicht auf Sie warten wollte oder konnte. Wir wissen nicht wirklich, warum die Dinge so geschehen, wie sie geschehen. Wenn Sie aber Ihrer Katze vertrauen, werden Sie ihren Weg akzeptieren können, auch wenn Sie ihn nicht gleich verstehen.
Ich glaube daran, dass uns unsere Tiere Lehrer im Leben und Sterben sein wollen. Aber es gibt natürlich am Sterben nichts Romantisches und ich bin froh, dass es auch die Möglichkeit der Sterbehilfe durch den Tierarzt gibt. Oft geht es nicht anders und Ihr Tier wird Ihnen klar zu verstehen geben, ob es die letzte Reise selbst schafft oder nicht. Genau so, wie es nicht nur natürliche Geburten gibt, die ohne Arzt auskommen, ist es am anderen Ende des Lebens eben auch. Wichtig dabei ist nur, nicht die eigene Angst und Unsicherheit vor dem Tod auf Ihre Katze zu projizieren, sondern sie so objektiv wie möglich (ich weiss, das ist schwer!) zu betrachten. Nur Sie haben mit ihr Ihr Leben verbracht, niemand anderes. Nur Sie wissen, wie sich Freude bei ihr äußert. Sie wissen, wie sie mit Schmerzen umgeht, ob sie sie zeigt oder still leidet. Daisy hatte z.B. bis zum Schluss ein Leuchten in den Augen und miaute erfreut auf, wenn ein Sonnenfleck auf dem Teppich auftauchte, auch wenn ich sie am letzten Tag dorthin tragen musste, weil sie nicht mehr laufen konnte. Und sie liebte heiß und innig ihren kleinen Klecks Butter, den sie noch am Tag vor ihrem Tod lautstark einforderte, obwohl sie das Essen schon eingestellt hatte. Solche Details werden nur Sie von Ihrer Katze wissen können, während ein kurzzeitiger Beobachter von außen nur die Krankheitssymptome sieht. Es ist am Ende ein tägliches Abwägen, ob das geliebte Tier noch will und kann oder nicht. Hier hilft nur bedingungslose Ehrlichkeit sich selbst gegenüber.
Wenn Ihr Tier gestorben ist, können nur Sie allein fühlen und wissen, was Sie brauchen. Deshalb möchte ich Ihnen eines besonders ans Herz legen: Rechtfertigen Sie sich niemals für Ihre Trauer um Ihre Katze! Vielleicht sind Sie selbst erschrocken, wie tief diese Erfahrung buchstäblich Ihr Leben verändert und glauben, dass das nicht normal wäre. Normal ist der Tod eines geliebten Wesens, ob Mensch oder Tier, nie, auch wenn er zum Leben dazugehört. Es ist immer eine existenzielle Grenzerfahrung und nur Menschen, die bereits Ähnliches erlebt haben, werden Sie nicht als neurotisch bezeichnen. Darum ist es oft besser, nicht jedem, der Ihre Katze süß fand, Details von ihrem Sterben und Ihrer Trauer zu erzählen. Viele Menschen können leider nie erfahren, wie tief man ein Tier lieben kann und verstehen nicht, dass man um es trauert wie um einen geliebten Menschen. Für mich ist diese menschliche Fähigkeit, über Artgrenzen hinweg lieben zu können, dagegen eine der schönsten, und ich wünsche es jedem, diese Erfahrung machen zu dürfen.
Ich hoffe, Sie kommen gut durch diese schwere Zeit und wünsche Ihnen und Ihren Tieren viele liebevolle Momente. Denn das ist alles, was am Ende zählt: Nicht die Kratzer am Sofa, nicht die Flecke im Teppich, sondern die Zeit, die wir miteinander verbringen durften.
Ihre
Susanne Hartwig (e-mail: katzenseele[at]susanne-hartwig.de)